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2019-10-22 13:18:40

Nachlader

Autos 22.10.2019 11:58 Uhr Martin Franz

Angekündigt war er schon im Februar, nun kann Audi den A6 55 TFSI e mit Plug-in-Hybrid offenbar endlich liefern. Das wurde auch Zeit, denn selbst die deutsche Konkurrenz von Mercedes und BMW, einer Vorreiterrolle bei der Hybridisierung unverdächtig, ist auf diesem Markt schon länger präsent. Für Audi ist dieses Modell von besonderer Bedeutung, denn durch den Steuervorteil auf die private Nutzung von Dienstwagen kann so ein Modell finanziell ziemlich interessant sein.

Rasant

Wie die Konkurrenz kombiniert auch Audi einen Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit einem E-Motor. Im 55 TFSI e leistet der Verbrenner 185 kW, der E-Motor 105 kW. Damit ist er deutlich kräftiger als der Antriebsstrang im Mercedes E 300 e, der 155 kW (Benziner) plus 90 kW bringt. Die Systemleistung gibt Audi mit 270 kW (367 PS) an, Mercedes mit 245 kW (333 PS). Die Fahrleistungen liegen hier wie dort weit oberhalb dessen, was die meisten Menschen gedanklich mit einem Sparmodell verbinden werden. Nicht zuletzt dank seines Allradantriebs beschleunigt dieser A6 in 5,6 Sekunden von Null auf Tempo 100, der Mercedes bleibt gerade mal 0,1 Sekunden zurück – trotz 34 PS weniger. Schluss ist bei beiden erst bei 250 km/h.

Die Lithium-Ionen-Batterie im A6 hat eine Kapazität von 14,1 kWh, im E 300e sind es 13,5 kWh. Beide Hersteller nennen nur die Bruttokapazität, wie viel sich tatsächlich nutzen lässt, bleibt geheim. Audi verspricht eine Reichweite von 53 km im WLTP, Mercedes nennt 57 km, allerdings im NEFZ. Die Verbrauchswerte von Plug-in-Hybriden im WLTP wurden jeglicher Vergleichbarkeit beraubt, Bürokraten haben diesbezüglich ganze Arbeit geleistet. Im WLTP soll der A6 zwischen 1,9 und 2,2 Liter bzw. 17,4 bis 17,9 kWh/100 km verbrauchen.

Etwas besser als beispielsweise BMW löst Audi das Thema Laden. Im BMW 530e (Test) ist bei 3,7 kW die höchste Ladeleistung erreicht, Audi und Mercedes erlauben immerhin 7,4 kW. Hier werden alle noch nachlegen müssen, sofern die elektrische Nutzung ausgereizt werden soll. Eine Aufladung von Null auf 100 Prozent soll im A6 rund zweieinhalb Stunden dauern.

Bald veraltet

Dass hier ein Plug-in-Hybrid-Antrieb in ein bestehendes Fahrzeugkonzept gesteckt wurde, zeigt sich beispielsweise beim Kofferraum. Ein A6 mit alleinigem Verbrenner hat 530 Liter zu bieten, der 55 TFSI e mit 360 Litern gerade einmal zehn mehr als ein VW Polo (Test). An anderer Stelle hätte Audi die im Vergleich zu den Konkurrenten späte Geburt nutzen können, um bei der Abgasnorm Vorreiter zu sein. Doch wie bei so vielen Herstellern baut auch Audi darauf, dass es den Kunden egal ist, mit welcher Norm die Autos ausgeliefert werden. Und so kommen die ersten A6 mit Plug-in-Hybrid mit der Euro 6d-Temp auf den Markt. Ein Update auf die Euro 6d erfolgt vermutlich mit den Werksferien im Sommer 2020. Die ersten Kunden fahren dann ein junges, teures Auto, was schon nicht mehr dem aktuellen Stand entspricht. Ja, die Konkurrenz macht es nicht besser, doch gerade die Volkswagenmarke Audi hätte hier vorangehen sollen – und können.

Folgt ein Avant?

Der Listenpreis des A6 55 TFSI e liegt bei 68.850 Euro, ein ähnlich kräftiger A6 55 TFSI quattro S tronic 60.500 Euro. Allerdings ist der Plug-in-Hybrid bedeutend besser ausgestattet. Audi reicht hier unter anderem eine Klimaautomatik mit vier Zonen, Matrix-LED-Scheinwerfer, 19-Zoll-Alufelgen, Sportsitze und -Fahrwerk mit dazu. Den wichtigsten Erfolgsgaranten auf dem europäischen Markt gibt es derzeit bei Audi jedoch noch nicht: Mercedes kann einen der beiden Plug-in-Hybride in der E-Klasse auch als Kombi anbieten. Wir gehen davon aus, dass Audi und auch BMW folgen werden.

(mfz)


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