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2019-10-22 16:11:27

Zu Beginn der Entwicklung seines ersten Businessjets vor mehr als zehn Jahren war für den Schweizer Flugzeugbauer Pilatus klar, dass dieser Zweistrahler mehr bieten müsse als seine Wettbewerber. Denn die sind bereits seit Jahrzehnten am Markt leichter Businessjets für etwa acht Passagiere etabliert und verfügen über ein weltumspannendes Servicenetz. Die Platzhirsche sind der amerikanische Konzern Textron mit den Citation-Jets seines Tochterunternehmens Cessna.

Aber auch der brasilianische Hersteller Embraer ist mit seinen Phenom-Jets der Baureihen 100 und 300 erfolgreich. Die 300 war viele Jahre der nach Stückzahlen meistverkaufte Businessjet der Welt. Also mussten die kleinen Schweizer Pilatus-Werke ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln, um künftig gegen die zwei Haupt-Wettbewerber und weitere Konkurrenten mit ihrem Flugzeug bestehen zu können.

Das ist ihnen gelungen. Denn die PC-24 ist derzeit der einzige Businessjet der Welt, der eine Zulassung für unbefestigte Pisten, also Schotter, Sand und voraussichtlich ab Jahresende auch für Grasbahnen, aufweist. Einstiegspreis: 10 Millionen Dollar. Die Maschine gibt es auch als Ambulanzjet. In Australien beim Royal Flying Doctors Service, der mehrere PC-24 bestellt hat, muss der Jet auf den dortigen Rough Fields starten und landen können. Auch die schwedische Kommunalvereinigung für Ambulanzflug bestellte im August sechs PC-24-Ambulanzjets. Die Skandinavier sehen es ebenfalls als Vorteil an, dass die neuen Flugzeuge für medizinische Notfalleinsätze keine asphaltierten Landebahnen benötigen.

Höhere Endgeschwindigkeit um 800 km/h

Dass die PC-24 von unbefestigten Pisten aus operieren kann, kommt natürlich nicht von ungefähr. Mit der kleineren PC-12 hat Pilatus bereits eine Propeller-Reisemaschine im Modellprogramm. Die landet ebenfalls auf Schotter, Gras oder Sand, besitzt auch eine große Frachttür und glänzt durch Vielseitigkeit. Allerdings ist die PC-12 nur etwa 500 km/h schnell und hat lediglich eine Propellerturbine. Kundenbefragungen ergaben aber, dass sich viele Eigner wegen der höheren Sicherheit ein zweites Triebwerk und eine höhere Endgeschwindigkeit um 800 km/h wünschen. Das floss ins Lastenheft der PC-24 ein.

Die Konfiguration der Kabine kann durch leichtes Entfernen der Sitze rasch zugunsten von mehr Fracht geändert werden. Die große Ladetür im Heck bietet dem Eigner mehr Flexibilität, weil auch Sperriges in den Frachtraum geladen werden kann. Gleichzeitig dient diese Tür auch dem schonenden Anbordnehmen von Patienten, falls die PC-24 als Ambulanzjet betrieben wird.

Der Autopilot verringert die Arbeitsbelastung

Durch ihre Single-Pilot-Certification ist lediglich ein Pilot zum Fliegen vorgeschrieben. Deswegen zielt die PC-24 auch auf den Geschäftsmann, der selbst steuert und keine Mannschaft benötigt. Dem Piloten wird die Tätigkeit durch ein ergonomisches Arbeitsumfeld leichtgemacht, wie ein Probeflug vom Flugplatz Buochs nach Mollis zeigt. So überprüft er vor dem Anlassen der Turbinen und dem Start mit elektronischer Checkliste, ob alle Systeme einwandfrei funktionieren. Vier Bildschirme zeigen bei diesem Sichtflug in 9500 Fuß, umgerechnet fast 2900 Meter Höhe, alle wichtigen Daten wie Fluglage, Geschwindigkeit, Höhe und zur Navigation an. Außerdem werden auf einem Display die Positionen anderer Flugzeuge und gegebenenfalls Warnungen vor diesen durch das Antikollisionssystem dargestellt. Der Autopilot verringert ebenfalls die Arbeitsbelastung.

Eine besondere Funktion ist die Synthetic-Vision-Darstellung des Geländes. Wer bei schlechtem Wetter einen Flugplatz in den Bergen, etwa das österreichische Innsbruck oder das schweizerische Samedan, ansteuert oder bei schwierigen Sichtverhältnissen fliegt, ist froh, dass die Geländedarstellung virtuell ins Display eingespiegelt ist. Der Pilot erkennt, wo Berge oder Hindernisse drohen, auch wenn er sich etwa in Wolken befindet.

Die PC-24 erreicht eine Maximalgeschwindigkeit von 815 km/h. Sie liegt zwar knapp 20 km/h unter der der direkten Wettbewerber Cessna Citation CJ4 und Embraer Phenom 300E, dafür punktet die Schweizerin mit ihrer größeren Kabine. Hinsichtlich der maximalen Flughöhe haben alle drei Konkurrenten mit 13 716 Meter denselben Wert. Als Triebwerke nutzen PC-24 und Cessna CJ4 sogar identische Turbinen. Es sind jeweils FJ-44-4A von Williams.

Wie viele SUVs nie ins Gelände fahren, werden wohl auch manche PC-24 nie Schotter, Sand oder Gras unter ihrem Fahrwerk haben, sondern immer asphaltierte Landebahnen. Aber der Betrieb auf unbefestigten Pisten ist zumindest möglich.


faz.net Frankfurter Allgemeine Zeitung Gmbh
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